Plattner stellten bis zum 17

Plattner stellten bis zum 17. Jahrhundert Rstungen her. Dann erlebte der Beruf einen Niedergang. Jetzt sorgen Mittelalterfans und Rollenspieler fr Bedarf.

Lang ist der Bart von Marco Hppner, grau und schwer sein Kittel. Und Stunden lang kann der 31Jhrige ber Schmiedekunst, das Mittelalter und FantasyRomane sprechen. Dabei ist er eigentlich Betriebswirt. Doch er hat den Job gewechselt: Statt Zahlenkolonnen zu wlzen, beschftigt er sich mit Ritterrstungen. In seiner Werkstatt in Berlin sieht es aus wie im Mittelalter. Auf den Werkbnken schimmern Harnische und Helme, Arm und Beinschienen staken aus randvollen Kisten hervor.“Bei den Behrden bin ich als Kunsthandwerker eingetragen“, erzhlt Hppner. Denn er ist kein Schmied, sondern Plattner. Und damit seit mehreren Hundert Jahren wieder einer der ersten hierzulande.

Im Mittelalter fertigten Plattner Ritterrstungen an und verzierten diese. Den Hhepunkt erlebte die Plattnerkunst im 16. Jahrhundert, danach wurden die Rstungen schlichter und verschwanden irgendwann ganz die Plattnerei erlebte ihren Niedergang ab dem 17. Jahrhundert. Das Kunsthandwerk geriet fast ganz in Vergessenheit.

Dass im Jahr 2013 Menschen wie Marco Hppner wieder Plattner werden, liegt an Mittelalterfans und Rollenspielern Live Action Role Playing, kurz LARP genannt. Es ist ein improvisiertes Laientheater, das sich zuvorderst aus Fantasyromanen und dem Mittelalter speist. Ritter, Elfen und Zwerge fechten hier gegen Ork und Dmonenarmeen den ewigen Kampf zwischen Gut und Bse aus. Und das eben nicht auf dem Spielbrett, sondern leibhaftig auf WaldundWiesenTreffen berall in der Republik.

Conventions oder Cons nennen die Spieler (sogenannte LARPer) solche Veranstaltungen. Etwa 800 gibt es in Deutschland pro Jahr. Zu manchen kommen Tausende Teilnehmer aus aller Welt, um der Realitt fr ein paar Tage zu entfliehen. „Man taucht ein in eine andere Welt“, beschreibt Hppner die Faszination. Er selbst spielt schon seit Jahren Rollenspiele in seiner Freizeit. Fr seinen LARPCharakter, einen Ordenskrieger, fertigte er in seiner Freizeit eine kunstvolle Lederrstung an. Die fand bei den Events so viel Beachtung, dass Hppner beschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen. Vorher hatte er BWL studiert, bei einer Versicherung und im Sicherheitsmanagement gearbeitet.

Ausbildung mit Trial and Error

Einen zertifizierten Weg zum Plattner gibt es allerdings nicht mehr. Weil schon seit vielen hundert Jahren keine Plattner mehr ausgebildet wurden, erfolgt die Ausbildung heute im Selbstlernstudium und nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Von den modernen Berufen kommt der Metallgestalter dem Plattner noch am nchsten, auch eine Vorbildung als Schlosser, Klempner oder Fahrzeugbauer ist keine schlechte Ausgangsbasis. „Doch fr eine solche Ausbildung bin ich zu alt“, sagt Hppner. Also hat er einfach so angefangen. Das war vor knapp drei Jahren.

Einen Grndungszuschuss bekam er von der Agentur fr Arbeit, seinen Stundenlohn berechnet er mit zehn bis fnfzehn Euro. Auch weil manches noch schief geht und lnger dauert. 40 bis 50 Stunden in der Woche arbeitet er in der Regel. In den Frhjahrs und Sommermonaten, zur Hochsaison vor den Cons, knnen es auch mal 70 bis 80 werden. „Mir fehlt noch der Feinschliff“, sagt er.

Die Qualitt und die Details der Kostme sind den Spielern sehr wichtig. „Jeder muss zu einer glaubwrdigen Gesamtkulisse beitragen.“ Ein mglichst berzeugendes Aussehen sei da wichtig, sagt der Plattner.

Noch heute werden hochverzierte Musketen oder Schwerter hergestellt, mehr als Prestigeobjekt, aber es gibt einen Markt, man erinnert sich an SamuraiSchwerter die noch heute per Hand hergestellt werden und Spitzenpreise erzielen, auch wenn die Samurai seit 1800 kaum noch zu finden sein.

Und wieso sollte zu diesem Markt nicht auch eine verzierte Rstung hinzukommen?

Das LARP oder Reenactment ist (aus meiner Sicht) ein Hobby wie jedes andere auch, in jeder Stadt gibt es Mittelaltermrkte, und wer fr Spielzeugeisenbahnen 2.000 Euro ausgeben oder fr kleine HotWheels mehrere Hundert pro Stck, warum sollten solche Leute nicht auch einige Tausend Euro fr ein Harnisch bezahlen.

Ich zumindest finde es Innovativ auch wenn die Innovation mehrere Hundert Jahre alt ist und bringt (auch wenn das Argument abgeschmackt klingt) Arbeitspltze.

Das ist aber eher der kleine Fisch im Teich

Naja. das ist eher der motivierte Hobbyist, der damit jetzt Geld verdienen mchte. Die im vorherigen Beitrag erwhnten Eysenkleider und Battleheat sind entweder auf den LARPMarkt ausgerichtet oder produzieren unteres Mittelma, zumindest sieht das auf der Seite stark danach aus.

Von den auslndischen Schmieden ob das Leight, Radford, West, Dobson oder Hewitt in Grobritannien oder den sehr, sehr guten Plattnern in Kanada, USA, Polen oder Tschechien fange ich gar nicht erst an.

MithrilSchmiede ist da eher blutiger Amateur und zumindest die Sachen auf der Seite sind doch weit weg von dem handwerklichen Niveau der deutschen oder europischen Profis.

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